Erläuterungen zu Steilshoop

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Schauen wir uns die Karte von eben an, so entsteht der Eindruck, Steilshoop sei die Großsiedlung + ein paar übrig gebliebene Kleingärten:


(Google Earth, 2012)

Dieser Eindruck ist für den Teil richtig, der nördlich der Steilshooper Allee liegt. Doch es gibt noch einen Teil unterhalb dieser Querstraße. Um diesen Teil und Steilshoop im Ganzen besser zu erkennen, schauen wir nochmal in einem anderen Maßstab:



(Google Earth, 2012)

Deutlich erkennbar erstreckt sich unterhalb der Steilshooper Allee bei Google Earth noch ein beträchtlicher Teil nach Süden - mit der Ostgrenze entlang der Fabriciusstraße und einer nördlichen Grenze, die mitten durch den Bramfelder See geht. Beim Dienstanbieter openstreetmap sehen wir einen anderen Grenzverlauf - hier verläuft die Ostgrenze entlang der Seebeck - entsprechend wurde die Seebeck auch "Grenzbach" genannt - und die Nordgrenze oberhalb des Bramfelder Sees:



(openstreetmap.org, 2012)

Auf der oben gezeigten Satellitenaufnahme von Google Earth ist sehr schön der reiche Baumbestand auf dem 1877 gegründeten Friedhof Ohlsdorf zu sehen. Es ist der weltweit größte Parkfriedhof ( hier » ) und wer sich an Gräbern nicht stört, wird es genießen, hier spazieren zu gehen. Von unserem Tennisclub haben Sie schnellen Zugang zum Friedhof. Dort lassen sich beschauliche Szenen wie diese beobachten:


Kommen wir nochmal zurück zur Kartografie und gehen ein paar Jahrzehnte zurück. Es wurde bereits erwähnt, dass Steilshoop seit Jahrhunderten von drei Bauern-/ Hufner-Familien geprägt ist, die durch Einheiratung oder Verkauf die Namen wechselten. Anfang der 1930er Jahre wurde die Tennisanlage am Eichenlohweg erstellt. Die Besitzverhältnisse in Steilshoop waren damals nur noch von zwei Familien und einer Bank geprägt - die Familie Ellerbrook (1930 Familie Gerlach) hatte damals keine Bedeutung mehr. Sie werden auf der folgenden Karte mitte links die Fläche des Forsthofes erkennen und oben mitte rechts die Lage unseres Tennisclubs am Bramfelder See zuordnen können. Diese wie auch die beiden folgenden Karten haben die Ostgrenze am Grenzbach Seebeck und die nördliche Grenze mitten durch den Bramfelder See; entsprechend kleiner ist die Fläche unterhalb der noch kommenden Steilshooper Allee (interessant übrigens, dass wir hier, im Jahr 1930, noch die Schreibweise mit nur einem "o" finden):

(Hoppe/ Zuschlag 1994: 40)

Bereits 1931 gab es für Steilshoop einen Besiedlungsplan (hier, ein Jahr später, mit zwei "oo"):

(Hoppe/ Zuschlag 1994: 29)

 

Es dauerte noch rund vier Jahrzehnte, bis tatsächlich gebaut wurde. Hier eine Karte, die alt und neu vereint (während bei den Karten von 1930 und 1931 die nördliche Grenze mitten durch den Bramfelder See verläuft, ist bei der folgenden Karte ein Grenzverlauf am unteren Rand in der Seefläche zu erkennen):


(Erbe/ Kolbe 1993: 16f)

 

Gut erkennbar ist die gerade von links nach rechts verlaufende Steilshooper Allee - links kommend von der Fuhlsbütteler Straße, rechts die nicht sichtbare Fabriciusstraße kreuzend bis hinüber über die Bramfelder Chaussee.

Hier nochmal in kleiner Ansicht der Vergleich mit den unterschiedlichen Grenzziehungen:

Ein Gespräch mit einer Dame des Hamburger Landesbetriebes für Geoinformation und Vermessung klärte uns darüber auf, dass die rechte Grafik fast korrekt ist - Lediglich die kleine Ausbuchtung im Süden muss begradigt werden. So wäre die Karte korrekt:


 

Die Nord-, West- und Südgrenze markiert zugleich die Gemarkungs-, Orts- und Bezirksgrenze. Die Ostgrenze entlang der Seebeck ist zugleich die Gemarkungs- und Ortsverwaltungsgrenze (wenn wir mal von dem feinen Unterschied absehen, dass die Gemarkungsgrenze durch die Seebeck verläuft und die Ortsverwaltungsgrenze meist am rechten Ufer der Seebeck verläuft).

Mit Fertigstellung der Hochhaus-Siedlung hat sich die Einwohnerzahl deutlich verändert. Hier ein Überblick seit 1803 (vgl. Seeler/ Seeler 1988: 289):

 

1803 = ..62 Einwohner
1888 = ..89
1900 = 150
1919 = 144
1925 = 162
1935 = 245
1939 = 270


Nach dem Krieg erhöht sich die Einwohnerzahl mit einem Riesensprung durch die Kleingartenvereine. Es gab rund 2.800 Kleingartenparzellen in 13 Kleingartenvereinen (vgl. Vorwort Vorscherau in: Kersting, 2009: XI). Nach dem Krieg war es erlaubt, die Kleingärten ganzjährig zu bewohnen:

1950 = ..6.581 Einwohner
1955 = ..8.541
1960 = ..8.113
1965 = ..7.243
1970 = ..4.708
1975 = 21.459
1985 = 21.032
2011 = 19.333 ( hier » )


Erfolgte beim Übergang von der Kleingartenzeit zur Neubausiedlung zunächst ein deutlicher Rückgang in der Einwohnerzahl (1965-70), so gab es den zweiten großen Einwohnersprung nach Fertigstellung der Neubausiedlung. Seit 1975 ist die Einwohnerzahl bis zum 31.12.2011 um 10% zurück gegangen. Wir gehen hier nicht auf die Zeit von Neu-Steilshoop ein, sondern verweisen auf die mit Detailkenntnissen gespickte "lehrreiche Quartiersliteratur" - so Ex-Bürgermeister Vorscherau am Ende seines Vorwortes zu Steilshoop - aus dem Hause tretend möchte ich Bäume sehen von Manfred Kersting.

Abschließend noch ein kurzer Blick in die Vergangenheit.

Hoheitlich gehörte Steilshoop einige Jahrhunderte "zum Herrschaftsgebiet des dänischen Königs. Von 1450 bis 1863 war der Dänenkönig gleichzeitig Herzog von Schleswig-Holstein (abgesehen von kurzen Zeitspannen, in denen gerade mal wieder Gebiete getauscht oder abgetreten wurden). Von der Verwaltung her gehörte Steilshoop zum Amte Trittau, die Amtsspitzen saßen in Kopenhagen. [...]

1864 war der Ort preußisch geworden. 1888 kam er zum Amtsbezirk Poppenbüttel, 1910 zum Amtsbezirk Bramfeld, die wiederum dem Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein zugeordnet waren." (Hoppe/ Zuschlag 1994: 24)
Hier eine Karte von 1890, die sehr schön die Hoheitsgebiete in Deutschland zeigt und wie das Stormarner Gebiet sich im Nordosten von Hamburg schlängelt, wobei Steilshoop genau an der Grenze zum Hamburger Gebiet liegt - bei einem Klick auf das Bild sehen Sie die gesamte Karte in einem neuen Fenster:




"1937, im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes, kam Steilshoop mit Bramfeld und Wandsbek zu Hamburg. 1949 bildete Steilshoop zusammen mit Bramfeld im Zuge der neuen Bezirksverwaltung Hamburgs einen Ortsamtsbezirk." (Hoppe/ Zuschlag 1994: 24)

Seit dem 16. Jhd. sind für dieses Dorf drei Bauern/Hufner verzeichnet (die Hufe ist ein Landmaß; es entspricht der Fläche, welches ein Pferd vom Morgen bis zum Mittag umschreiten kann; Vollhufner ist ein Bauer, dessen Landbesitz groß genug war, davon eine Familie zu ernähren; vgl. Seeler/ Seeler 1988: 287 und Hoppe/ Zuschlag 1994: 6). Die drei Bauern/Hufner sind Barthelt Dreckmann, Hinrick Panningk, Harmen Mertens (1573) bzw. Bartels Dreckmann, Hinrik Panningk, Hermen Martens (1600) (vgl.ebd.: 242) - hier sind unterschiedliche Schreibweisen von Namen zu erkennen. Die letzten großen Bauernfamilien waren Hinsch, Ellerbrook und Behrmann. Der Behrmann-Hof ging schließlich an Beisser.

Der Dreckmannsche Hof ging über verschiedenen Stationen zu Beginn des 19. Jhd. an die Familie Hinsch.

Der Panningksche Hof ging 1610 durch Heirat an Peter Hinsch aus Jenfeld. Doch bereits zwei Jahrzehnte später wechselt der Hof wieder den Besitzer und so ging es weiter bis er schließlich 1682 in die Hände von Jürgen Martens kam. In dieser Familie blieb er rund 140 Jahre bis er dann 1825 in den Besitz der Familie Ellerbrook kam.

Der Martensche Hof ging im Mai 1707 durch Heirat von Maria Martens mit Hein Behrmann von Ohlsdorf in die Familie Behrmann über. Nachdem der Hof durch Vererbung auf den jeweils folgenden Sohn ging, verkaufte schließlich Joachim Behrmann im Juli 1874 den Hof an die Familien Beisser und Früchtenicht. 1879 erwirbt Beisser den Anteil von Früchtenicht.

Aus dem Geschilderten springt deutlich die bäuerliche Tradition des Dorfes Steilshoop hervor.

Die Feldmark Steilshoop war eine waldarme Flur. Es fehlte an Brennholz. "Schon im 17. Jahrhundert mußten die Steilshooper sich Torf in Bergstedt kaufen. Es gehörte auch zu den waldlosen, zu den sogenannten ‚Rühmerdörfern'." (Seeler/ Seeler 1988: 248) Das war allerdings nicht immer so und außerdem keine Besonderheit von Steilshoop, denn die um Hamburg gelegenen Feldmarken gaben Teile ihrer Wälder für den Hamburger Häuser- und Schiffbau sowie für Heizzwecke. Außerdem wird es vermutlich in Steilshoop eine Eisengewinnung bzw. -produktion gegeben haben. "Das Problem der Eisengewinnung war bis weit in die Neuzeit weniger die Beschaffung von entsprechenden Erzen sondern die des Brennmaterials. Man benötigt etwa sieben bis acht Zentner Holzkohle, um einen Zentner Eisen zu schmelzen. Holz war deshalb bei der Metallproduktion das wichtigste Material überhaupt. Das Ergebnis der Meilerverkohlung beträgt für die meisten Holzarten aber nur 20 bis 25% bezogen auf trockenes Holz. Das heißt, dass es notwendig war, für einen Zentner Eisen 35 bis 40 Zentner Holz zu verkohlen." (Kersting 2009: 19)

Für das 16. Jhd. lässt sich immerhin noch folgende Aussage finden: "Aus den Akten von 1577 kann man entnehmen, daß ein Fall unrechtmäßiger Hirschjagd in den Steilshooper Wäldern vor Gericht verhandelt worden ist." (Hoppe/ Zuschlag 1994: 6) Und für Kersting "beweist der Name des untergegangenen Dorfes Hartzloh (= Hirschwald)", dass "früher reichlich Wald zur Verfügung stand". (Kersting 2009: 19) Der Kahlschlag wird vermutlich zu Beginn des 17. Jhd. begonnen haben. Insofern war der Forsthof mit seinem kleinen Tannen-Wäldchen schon etwas Besonderes.

Alle Leser/innen, die Näheres über den geschichtlichen Hintergrund von Steilshoop, Bramfeld und dem ehemaligen Hellbrook erfahren möchten, seien auf das Buch Bramfeld, Hellbrook, Steilshoop. Vom Dorf zum Stadtteil von Seeler/ Seeler (1988), die Veröffentlichung Dorfgeschichte(n) von Hoppe/ Zuschlag 1994 und auf das Buch Steilshoop von Martn Kersting (2009) verwiesen.

Bramfeld und Steilshoop waren übrigens zu Anfang des 20. Jhd. "nach den Vier- und Marschlanden das größte Gemüseanbaugebiet im Hamburger Umland." Kohl und später Rhabarber waren die Haupteinnahmequellen der Gemüsegärtner. (Hoppe/ Zuschlag 1994: 18)

 


Forsthofer Spuren

Folgen Sie nun den Spuren der Vergangenheit und entdecken Sie, warum wir diesen Tennisclub mit Begriffen wie "Erholung", "Entspannung", "Naturerlebnis" und "Geselligkeit" verbinden - zur Abrundung der Sinnenfreuden gehört natürlich auch ein passender Gaumenschmaus dazu.

 

Autor & Filmer:

Guido Eberhard Guido Eberhard
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